Brauchen Pferde eine Winterdecke? Oder hat die Natur dafür gesorgt dass sie im Winter nicht frieren?

Es stehen so viele Pferde eingedeckt in Boxen oder im Offenstall, dass man meinen könnte, sie seien mit einer Decke auf die Welt gekommen. Es stellt sich schon gar nicht mehr die Frage ob jemand sein Pferd eindeckt oder nicht, es geht nur noch darum welche Marke die Decke hat und welche Gramm-Füllung. Ich finde das echt schräg.

Es gibt wohl 3 Hauptgründe dafür, dass Pferde im Herbst/Winter eingedeckt werden:

  • Damit sie nicht so ein dickes Winterfell entwickeln.
  • Damit sie nicht frieren wenn sie geschoren werden.
  • Damit sie mit dem natürlichen Fell das sie haben nicht frieren.

Meine Warmblutstute sieht jeden Winter aus wie ein Reitbär oder ein zu groß geratenes Pony – und ich reite sie trotzdem, und wir arbeiten auch was – der Länge des Fells angemessen.

Was heißt „der Länge des Fells angemessen“? Wenn ich morgens reite, bevor die Pferde auf die Weide kommen, reite ich nur so viel, dass sie nicht zu warm wird und schon gar nicht schwitzt. Dann kann ich sie absatteln und raus bringen, ohne dass die Gefahr besteht, dass sie sich erkältet.

Wenn ich abends reite und sie danach in den Stall bringe mach ich ein bisschen mehr; sie wird dann mal ein bisschen mehr warm oder schwitzt ein bisschen – aber nicht so dass ihr das Wasser herunterläuft. Solches Wasser-Runter-Laufen-Schwitzen kommt ohnehin meist mehr davon, dass Pferde beim Reiten unter Stress stehen (zum Beispiel, wenn sie nicht verstehen  was der Reiter von ihnen will oder überfordert sind), als von der körperlichen Arbeit.

Wieder zum normalen Schwitzen und warm werden: Ich reite dann noch 10 Minuten Schritt und – falls sie dann noch nicht genügend abgekühlt ist – mach ich ihr eine dünne, NICHT wärmende, atmungsaktive Abschwitzdecke drauf, die ca. 20 – 30 Minuten drauf bleibt. Bis ich alles im Stall aufgeräumt habe ist das Pferd trocken, die Decke kommt runter und so kommen wir sehr gut über den Winter bzw. über die Zeit mit dem dichten Winterfell.

Wenn wir unsere Pferde im Herbst eindecken, damit sie kein Winterfell bekommen, oder das Winterfell herunterscheren, greifen wir ganz stark in natürliche Mechanismen ein – das ist NIE gut:

  • Wir verhindern den natürlichen Rhythmus des Fellaufbaus und des Fellabbaus und damit dämmen wir den Stoffwechsel ein.
  • Wir verhindern mit der Decke, dass das größte Organ des Pferdes, die Haut, atmen kann. Die Haut und die Lunge sind eng miteinander verbunden, wenn wir die Haut ständig mit einer Decke am atmen hindern, dann wirkt sich das ungünstig auf die Lunge aus.
  • Wir greifen in die natürliche Thermoregulation des Pferdes ein – mit der sich Pferde hervorragend den Außentemperaturen anpassen können.

Jetzt gibt es ja nie eine Regel ohne Ausnahme, aus meiner Sicht ist eine Decke sinnvoll:

  • Wenn das Pferd krank ist
  • Wenn es friert
  • Wenn es sich auf der Weide oder im Auslauf nicht trocken unterstellen kann und es den ganzen Tag regnet und windig und kalt ist.
  • Wenn es verschwitzt ist zum trocknen.

Aber nicht weil „man“ es halt so macht.

Schau doch mal wie es ohne Decke gehen würde. Eine Stallkollegin von mir hat jahrelang ihr Pferd ab Herbst eingedeckt und eines Jahres hat sie es einfach gelassen und hat gesagt: Ich weiß gar nicht warum ich das immer gemacht habe – es funktioniert prima ohne Decke.

 

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