Pferde werden oft von ihren Besitzern oder der Stallgemeinschaft mit Attributen oder Namen besetzt wie z. B.

  • Der oder die zickt wieder rum. (Zicke)
  • Ist der heute wieder faul! (Faultier)
  • Der ist so blöd, der scheut vor nem Grashalm. (Dummkopf)
  • Der spinnt heut wieder voll wegen nichts. (Spinner)

Erstmal: Für jedes Verhalten eines Pferdes gibt es Gründe aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, daß ein Pferd kaum eine Chance hat sich zu verändern, wenn es immer gleich betitelt wird. Ich weiß schon, diese Betitelungen sind nicht böse gemeint, aber wirken tun sie trotzdem.

Warum ist das so?

Nehmen wir den Spinner: Wenn der Besitzer immer sagt: „Der ist ein Spinner, der hat heute wieder rumgesponnen wegen gar nichts“, „der spinnt doch immer“, „mein kleiner Spinner“, dann setzt er schon voraus daß das Pferd immer wieder (in seinen Augen) spinnt. Er geht also schon davon aus, daß das Pferd irgendeinen Unsinn macht. Dieses Schubladendenken verändert das eigene Verhalten: Der Reiter behandelt sein Pferd dann automatisch so, als könnte es jeden Moment spinnen, ist ja klar. Und wenn das Pferd immer gleich behandelt wird, reagiert es immer gleich – und gibt dem Menschen durch sein immer gleiches Verhalten recht. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung!

Das führt manchmal so weit, daß das Pferd im Stall seinen Ruf weg hat. Egal wer mit ihm umgeht – ob der Besitzer oder andere Leute vom Stall – sie werden den Spinner wie einen Spinner behandeln. Und er wird spinnen.

Das ist bei Menschen genauso. Wenn man von jemandem sagt: „Der ist eh bisschen blöd, schon immer gewesen“ – dann wird diesem Menschen nichts zugetraut, und er traut sich auch nichts zu, und somit gibt er seinem Umfeld recht.

Wie können wir das abstellen?

Wenn es wirklich stimmt, daß das Pferd eine Macke hat (bitte: jedes Pferd darf seinen eigenen Charakter und seine Eigenheiten haben), finde ich, das gestehen wir ja uns und unseren Mitmenschen auch zu), dann erforscht die Ursache dafür und stellt es soweit es geht ab. Wenn wir beim Spinner-Beispiel bleiben, könnten einige der Ursachen sein:

  • Zu wenig Bewegung
  • Zu wenig Anreize von außen
  • Zu wenig Abwechslung
  • Zu wenig Auslastung/Arbeit
  • Zu viel Auslastung/Arbeit
  • Falsche Dosierung des Futters
  • Das Pferd hat nicht gelernt auf die Hilfen zu reagieren (vom Boden oder vom Sattel aus)
  • Mit dem Pferd wird oder wurde nicht achtsam und konsequent umgegangen
  • Physische oder psychische Erkrankung/Störung

Lasst euch unter Umständen von Fachleuten helfen, manchmal ist man so mit in dem Muster des Pferdes drin, daß man nicht mehr klar erkennen kann woran es liegen könnte.

Und ganz ganz wichtig:

Redet und denkt NIE schlecht von eurem Pferd. Hebt in der Öffentlichkeit und in eurem Inneren die guten Eigenschaften des Pferdes heraus und versucht die vermeintlich „schlechten“ abzustellen und zu verändern.

Auch im Umgang mit unseren Pferden gilt: „Was du nicht willst was man dir tu….“. Wir selbst möchten auch nicht, daß andere uns in Schubladen stecken. Wir wollen, daß man an uns glaubt und uns fördert und fordert. Unsere Pferde wollen das auch!

 

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